HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Extrakt eines australische Wüstenbaums schützt vor Krebs (29.10.01)

Wissenschaftler am MD Anderson Cancer Center in Houston haben herausgefunden, dass ein Extrakt aus einer Akazienart der australischen Wüste Mäuse vor dem Auftreten von Hautkrebs schützen kann. Es handelt sich um „Avicine", biologisch aktive Substanzen aus der Gruppe der Saponine. Wenn die Forscher die Haut von Mäusen mit Avicinen vorbehandelten, führte ein stark krebserregender Stoff viel seltener und wenn, dann weniger ausgeprägt zu Hautkrebs als bei Kontrolltieren. Diese Tierexperimente wurden durch Laboruntersuchungen untermauert, die zeigten, dass Avicine auch krebstypische Veränderungen in menschlichen Leukämiezellen verhinderten (Proc. Natl. Acad. Sci. USA 98: 10986 und 11551; 2001).

Extrakt eines australische Wüstenbaums schützt vor Krebs

Nun mag man einwenden, dass dies nur Experimente an Mäusen und im Reagenzglas waren, die bekanntermaßen nicht immer auf Menschen übertragen werden können. Das ist richtig, trifft aber nicht den Kern der Botschaft dieser Untersuchungen. Entscheidend an diesen Untersuchungen ist, dass sie ein biologisches Prinzip aufzeigen, dass hervorragend in aktuelle Denkmodelle der Onkologie passen: Es gibt offenbar eine Fülle von Substanzen in der Natur, die im Laufe der Evolution als Gegenspieler von krebserregenden Stoffen entstanden sind. Epidemiologischer Untersuchungen legen nahe, dass sie vor allem in Gemüse und Früchten enthalten sind und wahrscheinlich durch Neutralisierung von „Sauerstoffradikalen" und anderen Schadstoffen wirken. Möglicherweise wirken sie auch bei Krebs im Anfangsstadium, indem sie entartete Zellen in den Selbstmord („Apoptose") treiben.

Also doch Betacarotin und Vitamine als Vorsorge einnehmen? Es scheint nicht ganz so einfach zu sein, wie die unerwartet erhöhte Rate an Lungenkrebs nach Einnahme solcher Substanzen bei Rauchern zeigte. Dringend gewarnt sei auch vor selbsternannten Experten, die seriöse Veröffentlichungen für ihre eigenen Zwecke ausschlachten. So gibt es einen „international renommierten", „genialen" (Zitate) deutschen Medizinaldirektor i.R., für dessen wilde Theorien derzeit in Serienbriefen einer Zeitschrift auch bei Onkologen geworben wird. „Endlich hat die Hilflosigkeit ein Ende" (Zitat) - da sind wir aber froh, dass es einen so hellen Kopf gibt, der endlich den Heeren von Wissenschaftlern zeigt, wo es lang geht! Spätestens wenn man die Preise der angebotenen Seminare sieht, und dann noch auf der angekoppelten Website die Angebote vergoldeter Wünschelruten neben Motorölzusätzen für viele hundert Mark entdeckt, sollte klar sein, um was es hier geht.

Solche und ähnliche Auswüchse sollten aber nicht seriöse Untersuchungen von Wirkstoffen der Natur in Misskredit bringen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Naturstoffe ganz wesentlich zu Fortschritten in der konventionellen Krebsmedizin beigetragen haben. Die Mehrzahl der neuen Zytostatika sind z.B. Produkte aus der Natur. Bekanntestes Beispiel ist das Zytostatikum Taxol, das den Nadeln der europäischen Eibe isoliert wird.

Die neue Botschaft der oben genannten Untersuchungen ist, dass Naturstoffe vermutlich noch viel wirksamer sind, wenn sie vorbeugend eingesetzt werden. Aufgabe der Forschung wird es sein, herauszufinden, wie man das besser bewerkstelligen kann, als mit der unkritischen Einnahme von Megadosen von Vitaminen, Spurenelementen und anderen Nahrungszusätzen.

Prof. Norbert Frickhofen

<< zurück

fussleisten_bild Stand: 26. November 2007 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen