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Bei erfolgreicher Krebstherapie stellt sich immer die Frage nach der anschließenden Lebensqualität. Dazu gehört bei jungen Patienten auch die Möglichkeit, eigene Kinder zu haben. Diese Möglichkeit wird meist verbaut, wenn zu der Behandlung eine intensive Chemotherapie oder Bestrahlung gehört. Für Männer bietet das Einfrieren von Sperma vor der Behandlung schon lange einen einfachen und meist erfolgreichen Weg aus diesem Dilemma. Ärzte in Manchester haben jetzt erstmals auch für Frauen einen erfolgversprechenden Weg getestet: Entnahme von Eierstockgewebe, Lagerung tiefgefroren (wie Sperma) und Einpflanzung nach Chemotherapie. Es handelte sich um eine 36jährige Frau, die wegen eines malignen Lymphoms (Lymphknotenkrebs) mit einer Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation behandelt wurde. Vor der Hochdosistherapie war durch Laparoskopie („Schlüssellochchirurgie") der rechte Eierstock entfernt worden. Kleine Stücke des Eierstockgewebes wurden eingefroren. Nach Abschluss der Behandlung 19 Monate später wurden ihr 2 aufgetaute Stücke des Eierstocks wiederum durch Laparoskopie eingepflanzt. Die nach der Therapie sterile und unter Hitzewallungen leidende Patienten verlor 7 Monate später die Hitzewallungen, und im Blut waren wieder Zeichen der Eierstockfunktion nachweisbar (Lancet 357: 1172; 2001). Diese Erfahrung deckt sich mit einem Bericht von einer 29jährigen Patientin aus New York, bei der eine ähnliche Prozedur erfolgreich war. Bei ihr waren wegen einer nichtbösartigen Erkrankung die Eierstöcke entfernt worden (NEJM 342: 1919; 2000). In beiden Fällen wurde „nur" die Wiederherstellung der Eierstockfunktion nachgewiesen. Eine Schwangerschaft wurde bisher nach dieser Prozedur noch nicht berichtet, ist aber sicher nur noch eine Frage der Zeit. Ich halte diesen Bericht für wichtig, zeigt er doch erstmals einen möglichen Ausweg aus einem Problem, das viele junge Frauen nach erfolgreicher Krebstherapie wirklich als Dilemma empfinden: Sie sind geheilt, leiden aber vorzeitig unter Beschwerden wie in den Wechseljahren, und können keine eigenen Kinder mehr haben. Das Einfrieren von Eizellen erwies sich im Gegensatz zu Spermien als unzuverlässig, und eine „in vitro-Fertilisation" (Reagenzglas-Befruchtung) mit nachfolgendem Einfrieren des Embryos ist aufwendig und ethisch nicht unproblematisch. Die oben geschilderte Methode könnte die Lösung der Zukunft sein. Sie klingt viel aufwendiger als sie es in Wirklichkeit ist, da endoskopische Eingriffe und das Einfrieren von Gewebe heute Routine sind. Frauen, die sich einer eingreifenden Krebsbehandlung unterziehen, sollten ihren Arzt fragen, ob dieses noch experimentelle Verfahren für sie zugänglich ist. << zurück |
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