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Thalidomid hat sich zu einem wichtigen Medikament in der Behandlung des Multiplen Myeloms entwickelt. Es ist die erste wirksame Substanz seit Entdeckung von Melphalan und Kortison vor mehr als 30 Jahren. Bart Barologie, dessen Erfahrungen bereits im November 1999 auf diesen Seiten vorgestellt wurden, hat jetzt seine Behandlungsergebnisse bei 169 Patienten veröffentlicht: Nach 2 Jahren lebten noch 48% der Patienten und bei 20% ist es nicht zu einem Fortschreiten der Erkrankung oder anderen schweren Komplikationen gekommen (Blood 98: 492; 2001). |
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Diese Zahlen mögen für Außenstehende alles andere als ermutigend klingen. Insider wissen jedoch, dass sie außerordentlich vielversprechend sind. Es handelte sich bei diesen Patienten nämlich um mehrfach vorbehandelte Patienten (76% waren autolog transplantiert worden) und bei 2/3 der Patienten fand man Merkmale der Erkrankung, die auf eine sehr schlechte Prognose hinwiesen (z.B. abnorme Chromosomenbefunde oder hohes ß2- Mikroglobulin). Dass nach 2 Jahren noch etwa die Hälfte der Patienten lebte, ist völlig unerwartet. Bei 30% der Patienten nahm das Myelom-spezifische „Paraprotein" („M-Gradient") um 50% ab, bei 14% war nur noch weniger als 10% des Paraprotein im Blut oder Urin zu finden. Bei einigen Patienten sprach das Myelom erstmals auf eine Therapie an. Auch wir betreuen in den HSK eine Patientin, die auf keine der vorausgegangenen Standardbehandlungen angesprochen hatte und eine ganz erstaunliche Reaktion auf Thalidomid zeigte. Die üblichen Prognosekriterien wie niedriges ß2-Mikroglobulin und CRP, niedriger Labelling- Index oder normale Befunde bei der Chromosomenanalyse galten auch für die Behandlung mit Thalidomid. Zum ersten mal fanden sich Hinweise, dass bei Risikopatienten (und bisher nur bei diesen!) eine höhere Dosis auch bessere Erfolgsaussichten hat. B. Barlogie beginnt die Behandlung mit 200 mg und steigert dann die Dosis alle 2 Wochen um 200 mg, solange keine schweren Nebenwirkungen auftreten. Ähnliche Dosierungsschemata scheinen aber ähnlich wirksam zu sein. Wichtig ist die Beachtung möglicher Nebenwirkungen, die erheblich sein können: Schwere Nebenwirkungen (klassifiziert als „Grad III- oder -IV") fanden sich in dieser Untersuchung bei 58% (!) der Patienten, darunter Müdigkeit, Depression und andere zentralnervöse Störungen (25%), Schädigung peripherer Nerven (9%), Verstopfung und andere Magen-Darm-Störungen (16%). Thrombosen, Unterfunktion der Schilddrüse oder langsamer Herzschlag waren selten. Diese Nebenwirkungen hingen von der Einzeldosis, aber auch von der sich über die Zeit aufbauenden Gesamtdosis von Thalidomid ab. 28 Patienten mussten Thalidomid wegen der Nebenwirkungen absetzen. Eine Dosis von 800 mg erreichten nur 56% der Patienten. Wegen der guten Ergebnisse wird Thalidomid derzeit in vielen Situation geprüft: Als Ersttherapie, als Erhaltungstherapie, alleine oder in Kombination mit anderen Substanzen wie Dexamethason oder Zytostatika. Es ist dringend zu empfehlen, solche Therapien innerhalb von Studien durchzuführen, da dies am schnellsten ermöglicht, die beste und sicherste Art des Einsatzes von Thalidomid zu finden. << zurück |
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