HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

31. Mai 2000: Weltweiter Aktionstag gegen Rauchen

Jeder weiß es, auch jeder Raucher: Rauchen ist ungesund. Zigarettenrauch enthält mindestens 55 bekannte Krebserreger (JNCI 91: 1194; 1999). Etwa 20% aller Todesfälle hängen ursächlich mit dem Rauchen zusammen. Der Marlboro-Cowboy ist wie viele Millionen andere Raucher an Lungenkrebs gestorben. Mit etwa 37% stellen Gefäßerkrankungen bei Rauchern aber eine noch häufigere Todesursache dar als der Lungenkrebs (etwa 28%). Der Rest der Tabak-bezogen Todesursachen sind andere Krebserkrankungen (z.B. Mund, Kehlkopf, Speiseröhre, aber auch Niere, Blase, Bauchspeicheldrüse und Gebärmutter) und chronische Lungenerkrankungen. 

31. Mai 2000: Weltweiter Aktionstag gegen Rauchen

Besorgniserregend sind die Geschlechtsunterschiede beim Lungenkrebs. Die nebenstehende aktuelle Statistik aus den USA zeigt, dass die Zahlen bei den Männern rückläufig sind, während der Lungenkrebs zeitversetzt bei Frauen rapide zunimmt. Der bekannte Epidemiologe R. Peto hat zu diesem Trend 1993 gesagt: "Wenn Frauen wie Männer rauchen, werden sie auch wie Männer sterben." In den meisten industrialisierten Ländern sterben bereits heute mehr Frauen an Lungenkrebs als an Brustkrebs! Ähnlich besorgniserregend ist der zunehmende Anteil von Rauchern bei Kindern und Jugendlichen. 90% der Raucher fangen im Kindes- und Jugendalter an zu rauchen. 

31. Mai 2000: Weltweiter Aktionstag gegen Rauchen

Warum wird so wenig gegen Rauchen unternommen? Ein US-Kongressabgeordneter hat einmal gesagt: "Dies ist, als ob jeden Tag 2 vollbesetzte Jumbos mit Amerikanern abstürzen würden. Die Regierung würde sofort einschreiten". Dass die Tabaksteuer eine willkommene Einnahme für den Haushalt darstellt, motiviert nicht zu Programmen gegen das Rauchen. Es ist sicher reiner Zynismus (?), wenn behauptet wird, dass bei Rauchern, die an Lungenkrebs sterben, finanziell eigentlich eine positive Bilanz zu ziehen ist: Sie zahlen zeitlebens viel Steuern, und wenn sie Lungenkrebs entwickeln, sind sie zwar teuer, wegen der immer noch kurzen Überlebenszeit aber nur für kurze Zeit. Dem muss man allerdings entgegenhalten, dass Lungenkrebs nicht alles ist. Gefäßerkrankungen und chronische Lungenerkrankungen sind chronische, sehr teure Erkrankungen.

Vielleicht werden die Klagen gegen die Zigarettenindustrie Folgen haben. Im April 2000 wurden die Konzerne in einer ersten Sammelklage zur Zahlung von 26 Millionen DM an 2 Raucher verurteilt. Experten halten in Folgeprozessen Entschädigungen von 300 Milliarden Dollar für möglich. Zumindest eine Folge ist die Entwicklung von neuen, zigarettenähnlichen "Nikotin-Applikatoren", die weniger krebserregend sein sollen (JNCI 91: 502; 502), wegen der Inhalation von Glaspartikeln aber auch schon ins Gerede gekommen sind (JNCI 92: 660; 2000). Wenn trotz hoher Entschädigungssummen daran gearbeitet wird, sich das Heer der Nikotinabhängigen zu erhalten, verdeutlich dies, wie groß die Gewinne der Zigarettenindustrie sein müssen. Mehr über die Praktiken der Zigarettenindustrie erfahren Sie in dem Film "The Insider" (seit 27.4.00 im Kino) und in den lesenswerten " Cigarette Papers ".

Wenn Sie anlässlich des Aktionstages am 31. März (wieder einmal?) versuchen wollen, mit dem Rauchen aufzuhören, helfen Ihnen vielleicht die Online-Ratschläge der Aktion Rauchfrei . Sie finden dort einen Typentest, Vorschläge für ein individuelles Programm und viele andere Hilfen. Weitere Informationen zum Thema Rauchen finden sie auf vielen Internetseiten, z.B. den deutschsprachigen Seiten des Netzwerks Nichtrauchen und den Seiten der amerikanischen Krebsgesellschaft .

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen