HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Seit 10 Jahren wird vermutet, daß die Chance, Brustkrebs zu heilen, günstiger ist, wenn der Tumor in der zweiten Zyklushälfte operiert wird. Jetzt hat eine Londoner Forschergruppe diese Annahme erhärtet (Cancer 86: 2053; 1999).

Ausgewertet wurden die Behandlungsergebnisse von 112 Frauen mit Brustkrebs. Man fand, daß nach 10 Jahren nur noch 45% der Frauen lebten, die in der ersten Zyklushälfte (Tag 3-12) operiert wurden. Wenn außerhalb dieser Zeitspanne operiert wurde, lebten dagegen 75% der Frauen nach 10 Jahren. Die Forscher spekulieren, daß die hohen Konzentrationen des Hormons Östrogen in der ersten Zyklusphase die Tumorzellen so beeinflussen, dass sie sich bei der Operation leichter von dem Tumorknoten ablösen, länger im Blut überleben und/oder besser zu Metastasen anwachsen können. Das in der zweiten Zyklushälfte produzierte Hormon Progesteron soll dem entgegenwirken.

Legt man die Ergebnisse dieser und mehrerer ähnlicher Untersuchungen zugrunde, muß man Frauen raten, sich in der "guten" zweiten Zyklusphase operieren zu lassen, d.h. an den Tagen Tag 0-2 (0 = Tag der letzen Periodenblutung) oder 13-"32", dagegen die "schlechte" Zeit (Tag 3-12) zu meiden. Glaubt man an den nützlichen Effekt von Progesteron, könnte man vielleicht den selben Effekt erzielen, wenn man Patientinnen einige Tage vor der Operation mit diesem Hormon behandelt. Eine indische Forschergruppe prüft dieses Konzept (Surg.Clin.North Am. 79: 1047; 1999). 

Nicht verschweigen sollte man, dass nicht alle Untersuchungen solche Ratschläge stützen. So konnte eine Wiener Arbeitsgruppe bei der großen Zahl von 3757 untersuchten Patienten keinerlei Einfluss des Zeitpunktes der Operation auf die Behandlungsergebnisse finden (ASCO 2000, Abstract #2618). Die Fachgesellschaften haben daher bisher keine entsprechenden Empfehlungen herausgegeben.

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen