HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Chemotherapie kann auch nach vielen Jahren Ärger machen

Dass Lance Armstrong erneut die Tour de France gewonnen hat, ist Beweis dafür, wie erfolgreich Krebstherapie sein kann. Im Alter von 25 Jahren (1996), bemerkte er plötzlich Bluthusten. Als Ursache wurde ein weit fortgeschrittener Hodenkrebs mit Absiedlungen (Metastasen) in die Lunge festgestellt. Eine intensive Chemotherapie erreichte die vollständige Rückbildung aller Tumorherde. Nachdem 3 Jahre nach Abschluss der Therapie kein Rückfall aufgetreten ist, ist er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geheilt (Details auf der L.-Armstrong-Website).

Wenn die Therapie fachkundig durchgeführt wird (was leider nicht immer geschieht, siehe unsere frühere Meldung!), sind solche Erfolge beim Hodenkrebs die Regel und nicht die Ausnahme. Ähnliches gilt für einige andere Krebserkrankungen wie den Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome und akute Leukämien des Kindesalters.

Chemotherapie kann auch nach vielen Jahren Ärger machen

Immer deutlicher wird allerdings, dass Mediziner und Patienten bei aller Freude über eine erfolgreiche Krebstherapie lernen mussten, dass auch viele Jahre nach der Behandlung Nebenwirkungen auftreten können. Aktuelles Beispiel ist ein Bericht aus Groningen, Niederlande, dass Patienten mit Hodenkrebs 10-20 Jahre nach einer Chemotherapie ein auf etwa das 7fache angestiegenes Risiko von Herzerkrankungen haben (J. Clin. Oncology 18: 1725; 2000). Für Aufregung hat auch die Nachricht der gleichen Forschergruppe gesorgt, die bis zu 20 Jahre nach Chemotherapie noch Spuren eines Zytostatikums (Cisplatin) im Blut nachgewiesen hat (Lancet 355: 1075; 2000).

Diese Berichte sollten Patienten mit Krebserkrankungen nicht zu sehr beunruhigen: Für sie steht zunächst einmal die Gefahr, an der Krebserkrankung zu sterben, ganz im Vordergrund, und das Risiko später Nebenwirkung ist nicht sehr groß. Wenn eine Therapie jedoch Aussicht auf Heilung bietet, sollte der Patient von sich aus fragen, ob der behandelnde Arzt die Behandlung in allen Details durchdacht hat: Welche akuten Nebenwirkungen hat die Therapie? Gibt es weniger problematische Alternativen? Wie steht es mit Folgeerkrankungen? Werde ich Kinder zeugen bzw. schwanger werden können? Diese Fragen sind völlig legitim. Kein Arzt wird sie als nicht angebracht oder gar unverschämt abtun. Wenn er es tut, ist er nicht der richtige für Sie. Anhand seiner Antworten werden Sie merken, wie kompetent er ist. Nur der Vollprofi wird das ganze Spektrum der Therapiemöglichkeiten kennen, Unter- aber auch Übertherapie vermeiden, und gegebenenfalls Vorsorgemaßnahmen ergreifen können.

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen