HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Ein Bericht in der Zeitschrift Nature zeigt, wie die Analyse der Gene von Krebszellen die Therapie von Krebserkrankungen beeinflussen wird: Mit Hilfe von Chips, wie man sie von Computern kennt ("Gene Expression Microarrays"), wurde die Aktivität der Gene bei Krebserkrankungen der Lymphknoten (Lymphome) untersucht. In den Krebszellen von 42 Patienten fanden sich 2 grundsätzlich verschiedene Aktivitätsmuster. Verglich man nun diese Muster mit dem Erfolg der durchgeführten Therapie, so fand man, dass nach 5 Jahren ¾ der Patienten mit dem einen, aber nur etwa ¼ der Patienten mit dem anderen Gen-Aktivitätsmuster lebten (Nature 403: 491 und 503; 2000).

Genetische Untersuchungen bestimmen zunehmend die Krebstherapie

Microarrays sind etwa münzgroße Glasscheiben, auf denen mit ähnlichen Methoden wie bei der Herstellung von Computerchips eine große Zahl von Genen fixiert werden. In der genannten Untersuchung waren es 18.000 Gene, die auf einem einzigen Chip innerhalb von wenigen Stunden analysiert werden konnten! Während man noch vor wenigen Jahren in mühseliger, wochenlanger Arbeit ein Gen nach dem anderen untersuchte, fällt jetzt in einem einzigen Arbeitsgang so viel Information an, dass man sie nur noch mit Hilfe von komplexen Computerprogrammen bewältigen kann. Da Industrie und Forschungseinrichtungen (z.B. am Nationalen Krebsinstitut der USA) dabei sind, Chips für viele verschiedene Tumorerkrankungen zu entwickeln, ist absehbar, dass der klinisch tätige Arzt schon in wenigen Jahren in der Lage sein muss, die Chip-Ergebnisse genauso wie konventionelle Laborergebnisse in seine Therapieentscheidungen mit einzubeziehen.

Dass die erste große Untersuchung an Lymphomen erfolgte, ist kein Zufall. Non-Hodgkin-Lymphome sind mit etwa Platz 10 in der Häufigkeitsliste von Krebserkrankungenzwar eher seltene Tumoren. Bei einer jährlichen Zunahme von etwa 4% sind sie jedoch die am schnellsten zunehmende Tumorgruppe. Man vermutet bisher unerkannte Virusinfektionen oder andere Umweltfaktoren als Ursache. Etwa 40% der Patienten mit "hochmalignen Lymphome", wie sie in der Nature-Publikation untersucht wurden, sind heilbar. Von vielen Lymphom-Genen kennt man schon ihre Rolle bei der Krebsentstehung. Durch die schnellere Genanalyse mit Hilfe der Microarrays wird man die heilbaren Lymphome besser identifizieren und für die anderen Patienten frühzeitig neue Therapieformen entwickeln können. Solche Projekte werden auch in dem deutschen Kompetenznetzwerk Maligne Lymphome verfolgt.

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen