HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Krebskranke sollten sich jetzt gegen Grippe impfen lassen

Die Saison für Erkältungskrankheiten steht wieder ins Haus und damit auch wieder die Frage nach der Vorbeugung und Behandlung von Grippeinfektionen. „Grippe" im Volksmund ist meistens keine „Grippe" im medizinischen Sinne, sondern eine durch verschiedene harmlose, aber lästige Viren ausgelöste Erkältungskrankheit. Die echte Grippe, ausgelöst durch Influenzaviren, ist selten und gefährlich. Manchem ist vielleicht die Zahl von 27 Millionen Todesopfern durch die spanische Grippe im Winter 1918/19 bekannt. Man braucht jedoch nicht so weit zurückzugehen, um die Grippe ernst zu nehmen: Man schätzt, dass in Deutschland im Winter 1989/99 etwa 15.000 Menschen an Grippeinfektionen gestorben sind!

spritze

Die effektivste Form der Vorbeugung von Grippeinfektionen ist die Grippeimpfung. Das besondere an dem Grippe-Impfstoff ist, dass er jedes Jahr im Februar neu nach Empfehlungen der WHO hergestellt werden muss, da die Viren sich - im Gegensatz z.B. zum Rötelnimpfstoff - unter dem Druck des Immunsystem infizierter Menschen ständig ändern.

Patienten mit Krebserkrankungen haben häufig Bedenken, sich impfen zu lassen. Diese Bedenken sind grundlos! Der Impfstoff ist ein Totimpfstoff, enthält also keine vermehrungsfähigen Viren und kann deswegen selbst keine Grippeerkrankung auslösen, auch wenn das Immunsystem geschwächt ist. Abgesehen von seltenen Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Hühnereiweiß (das als Folge des Herstellungsprozesses in Spuren im Impfstoff enthalten ist), gibt es bei Menschen mit gestörtem Immunsystem nur das Problem, dass die Impfung einen geringeren Schutz aufbauen kann als bei Menschen mit normalem Immunsystem.

„Aber da gibt es doch etwas Neues!" Richtig: In Apotheken ist seit Oktober 1999 auf Rezept die neue Medikamentengruppe der „Neuraminidasehemmer" erhältlich. Sie können in der Frühphase der Infektion eingenommen gezielt in den Vermehrungszyklus der Viren eingreifen. Früh heißt allerdings innerhalb von 24-30 Stunden! So früh lässt sich eine Grippe nur selten von einer harmlosen Erkältungskrankheit unterscheiden. Abhilfe wird vermutlich ein Schnelltest schaffen, der voraussichtlich im kommenden Jahr auf den Markt kommen wird. Neuraminidasehemmer verkürzen die Krankeitsdauer nur um 1,4 - 2,5 Tage. Sie lindern jedoch die Krankheitszeichen um ca. 40%, reduzieren Folgeerkrankungen um 30% und verringern die Übertragung in Familien um etwa 80%. Bei einer Schutzwirkung des Impfstoffs von 70-90% muss daher die Impfung unverändert als Standard gelten.

Zusammengefasst kann man also Patienten mit Krebserkrankungen die Grippeimpfung vorbehaltlos empfehlen. Dies gilt auch für andere Personen mit schweren chronischen Erkrankungen, generell für Menschen im Alter >60 Jahre sowie für Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen. Ich selbst lasse mich jedes Jahr impfen. Der Impfstoff ist seit wenigen Wochen im Handel. Im Internet finden Sie weitere Informationen, z.B. auf den Seiten der Firma Glaxo-Wellcome.

Prof. Norbert Frickhofen

<< zurück

fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen