![]() |
![]() |
|||||||||||||||
|
Leukämie im Kindesalter entsteht vor der Geburt |
||||||||||||||||
|
Warum ist gerade mein Kind an Leukämie (Blutkrebs) erkrankt? Das muß etwas mit dem Kernkraftwerk in der Nachbarschaft zu tun haben! Solche Fragen und Vermutungen tauchen mit großer Regelmäßigkeit in Nachrichten und Zeitungsartikeln auf. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, welch ein Schock die Diagnose einer Leukämie bei Eltern auslöst. Und dies ist nicht selten, ist doch die kindliche Leukämie ("ALL") die häufigste Krebserkrankungen des Säuglings- und frühen Kindesalters. Wissenschaftler können leider immer noch keine endgültigen Antworten auf diese Fragen geben. Sie sind aber kürzlich einen großen Schritt weiter gekommen: Mel Greaves und Mitarbeiter aus London berichteten über Untersuchungen, die belegen, daß bei der Mehrzahl der Kinder die Leukämie vor der Geburt, das heißt in der Gebärmutter entsteht. Dieser Beweis gelang dadurch, daß man genetische Spuren der Leukämie in kleinen Bluttropfen nachweisen konnte, die von jedem Kind direkt nach der Geburt für Routineuntersuchungen entnommen und auf Papier aufgetropft aufbewahrt werden (Lancet 354: 1499; 1999). Daß die meisten, wenn nicht alle kindlichen Leukämien schon in der Gebärmutter entstehen, heißt zwar, daß sie "angeboren", nicht aber daß sie "erblich" oder Folge einer Krebsveranlagung sind. Der alte Streit, ob Krebs durch "schlechte Gene" oder Umweltfaktoren bedingt ist, ist eigentlich kein Streit mehr. Jede Krebserkrankung ist letztlich eine Erkrankung der Gene. Krebs entsteht jedoch durch ein Zusammenspiel von genetischen Besonderheiten des Individuums und von Umweltfaktoren, bei dem einmal die eine und ein anderes mal die andere Seite die größere Rolle spielt. Leukämieerkrankungen kurz nach der Geburt und die auffallend häufige Erkrankung von Zwillingen Leukämie-erkrankter Kinder wurden früher als Beweis für die Krebsveranlagung dieser Kinder gewertet. Heute weiß man jedoch, daß Leukämien von Zwillingen durch die Entartung einer Zelle in einem der beiden Kinder entstehen. Das zweite Kind erkrankt, weil kranken Blutzellen des Geschwisters über den gemeinsamen Blutkreislauf des Mutterkuchens in den eigenen Blutkreislauf gelangen und sich dann im Knochenmark einnisten. Die Tatsache, daß nur 5% der zunächst gesunden Zwillingsgeschwister sich durch das Blut des erkrankten Zwillings "infizieren", zeigt, daß weitere ungünstige Umstände hinzukommen müssen, die die Leukämie zum Ausbruch bringen. Umweltfaktoren wie Strahlen, wichtiger aber vielleicht bestimmte Infektionserkrankungen, treiben die schon vor der Geburt angegriffenen, aber noch nicht voll entarteten Zellen zur voll ausgeprägten Leukämie. Mel Greaves spekuliert, daß viele Kinder mit "angeschlagenen" Zellen zur Welt kommen, daß diese Zellen aber glücklicherweise meist absterben, weil die erforderlichen Folgeereignisse nicht eintreten. << zurück |
||||||||||||||||
|
||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||