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Am 27.12.99 erhielt der Geschäftsführer unseres Hauses das Angebot eines kommerziellen Labors, mit "computerunterstützter Lasermikroskopie“ zirkulierende Krebszellen im Blut unserer Patienten nachzuweisen. "Anhand dieser Messgröße (lässt sich) die Therapie maßgeschneidert anpassen.“ Kosten entstehen dem Krankenhaus nicht. Im Gegenteil ist schon ein Formular vorbereitet, mit dem das Krankenhaus 42,- DM bei jeder Einsendung verdienen kann. Da die Krankenkassen nicht verpflichtet sind, solche Untersuchungen zu bezahlen, muss sich der Patient mit Unterschrift verpflichten, die Kosten von DM 292,- DM selbst zu übernehmen. Ein anderes Beispiel: Der General-Manager eines holländischen Unternehmens preist Anfang Dezember 99 vor deutschen Onkologen eine umfangreiche Liste von molekularbiologischen Untersuchungen an, die Krebstherapien verbessern sollen. Auf die Frage nach dem Beleg eines Nutzens für die Patienten wird auf unveröffentlichte Untersuchungen verwiesen. Die Frage nach den Kosten wird naiv-offen mit dem Hinweis beantwortet, dass schon viele Untersuchungen für Privatpatienten angefordert worden seien, und dass es bei diesen Patienten auch keine Probleme mit den Kosten gegeben habe. Mir kommen 2 Worte in den Sinn: Geschäftemacherei und 2-Klassen-Gesellschaft. Nichts gegen freies Unternehmertum und Geldverdienen. Dies sind Motoren unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Hier wird jedoch mit der Angst und Sorge von Krebspatienten und der Unsicherheit von Ärzten kräftig Geld verdient. Unter dem Mantel von Modernität und Wissenschaftlichkeit werden Untersuchungen angeboten, die zwar vom Ansatz her hoch interessant sind, deren Wert in der Praxis der Krebstherapie jedoch noch offen ist. Positive Nachrichten bei einzelnen Erkrankungen werden unzulässig verallgemeinert ("Äpfel mit Birnen vergleichen"). Patienten und Ärzte werden moralisch unter Druck gesetzt, moderne Methoden einzusetzen. Man will ja nichts verpassen. Wer es sich nicht leisten kann, weil die Kasse die Kostenübernahme verweigert, hat eben Pech und muss kräftig in die eigene Tasche langen. Verstehen Sie jetzt, warum das eingangs geschilderte Angebot an den Geschäftsführer eines Krankenhauses und nicht an den Facharzt geschickt wurde? Seien Sie kritisch! Wer die Szene kennt, weiß, dass die meisten derzeit angebotenen Untersuchungen in wenigen Jahren von der Bildfläche verschwunden sein werden. << zurück |
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