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Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie neu definiert |
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Einer der bekanntesten Spezialisten für die Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL), Dr. Kanti Rai aus den USA, hat am 13.12.2000 Ergebnisse eine Therapiestudie publiziert, die gleichzeitig erfreulich und ernüchternd sind: Das noch relativ neue Zytostatikum Fludarabin (Fludara®) ist deutlich wirksamer als der seit vielen Jahren etablierte Standard Chlorambucil (Leukeran®): Fast doppelt so viele Patienten sprechen auf Fludarabin an (63% gegenüber 37% auf Chlorambucil). Auch die Zeit ohne Verschlechterung der Erkrankung ist mit 20 Monaten länger als nach Chlorambucil (14 Monate). Ernüchternd ist allerdings die Tatsache, dass die mit Fludarabin behandelten Patienten insgesamt nicht länger leben, als bei Beginn der Therapie mit dem guten alten Chlorambucil (New England Journal of Medicine 343: 1750; 2000). Diese Daten stimmen im wesentlichen mit zwei großen europäischen Studien überein. |
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Die CLL ist die häufigste Leukämieform des Erwachsenen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren. Meist wird die Diagnose zufällig bei einer Blutbilduntersuchung aus anderen Gründen, z.B. bei einer Operationsvorbereitung oder bei einer Diagnostik im Rahmen einer Infektion, gestellt. Diese Leukämieform stellt für viele Patienten kein ernsthaftes Problem dar. Etwa ein Drittel der Patienten bemerkt nie etwas von der Erkrankung und stirbt mit aber nicht durch die Leukämie. Ein weiteres Drittel der Patienten muss irgendwann einmal wegen der Leukämie behandelt werden, lebt aber häufig wenig beeinträchtigt durch die Erkrankung. Nur das letzte Drittel der Patienten muss von Anfang an behandelt werden, erleidet häufig Komplikationen wie z.B. Infektionen, und stirbt an den Folgen der Leukämie oder der Therapie. Auch diese Patienten leben aber im Mittel etwa 5 Jahre, also viel länger als Patienten mit einer akuten Leukämie. Wenn man diese Informationen zur CLL berücksichtigt, wird klar, warum die Daten zu Fludarabin gleichzeitig erfreulich und ernüchternd sind: Fludarabin muss im Gegensatz zu Chlorambucil 5 Tage lang intravenös infundiert werden (Chlorambucil wird in Form von Tabletten gegeben). Es verursacht mehr Nebenwirkungen, was durch die Studie von K. Rai bestätigt wurde. Schließlich ist es deutlich teurer als Chlorambucil. Damit stellt sich ähnlich wie bei vielen anderen neuen Therapieverfahren die Frage, ob die bessere Wirksamkeit und die längere Therapiefreiheit ohne eindeutigen Gewinn an Gesamtlebenszeit die kompliziertere Therapie, die höheren Nebenwirkungen und die höheren Kosten rechtfertigen. Diese Überlegungen zeigen, dass die Entscheidung zu der einen oder anderen Therapieform individuell getroffen werden muss. Einen kompetenten Rat erhält der betroffenen Patient nur bei dem Arzt, der den aktuellen Stand der Diskussion kennt. Ich rate daher Patienten mit CLL dringend, sich durch einen Hämatologen/Onkologen beraten zu lassen. Die CLL wird häufig als wenig bedrohliche Erkrankung angesehen, daraus aber der falsche Schluss gezogen, dass jeder, der irgendwann einmal gelernt hat, wie man mit Chlorambucil behandelt, die aktuell richtige Therapieentscheidung treffen kann. Das ist mit Sicherheit falsch. Es gibt heute neue Therapiemöglichkeiten mit monoklonalen Antikörpern, neuen Zytostatika, autologer oder allogener Stammzelltransplantation und speziellen zellulären Immuntherapien. Zudem erfordert die Entscheidung zur geeigneten Therapiestrategie eine immer speziellere Diagnostik, die nicht überall verfügbar ist. Informationen dazu erhalten Sie bei dem Hämatologen/Onkologen Ihres Vertrauens, über das Sekretariat des OSP HSK oder über die Zentrale der Deutschen CLL-Studiengruppe. "Empfehlenswert ist auch die Informationsbroschüre für Patientender Universität Bonn". << zurück |
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