HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Der Nobelpreisträger Linus Pauling hat vor etwa 15 Jahren berichtet, Patienten, die große Mengen Vitamin C zu sich nähmen, lebten 3-4x länger als solche, die kein Vitamin C nähmen. Seitdem gehört Vitamin C neben anderen Vitaminen, Spurenelementen und anderen Nahrungsbestandteilen zum Arsenal der Substanzen, auf die einige Ärzte, Heiler und Patienten schwören.

Theoretisch macht die Annahme eines positiven Effekts auf Krebserkrankungen Sinn: Man weiß, dass Vitamin C, E und Betacarotin (ein Vorläufer von Vitamin A) "antioxidative“ Wirkung haben. Antioxidantien sollen die Erbsubstanz und andere Zellbestandteile vor "freien Radikalen“ schützen, die z.B. durch schädliche Umwelteinflüsse wie Rauchen entstehen. Außerdem haben diese Substanzen eine immunstimulierende Wirkung.

Jetzt ist die Diskussion erneut aufgeflammt, nachdem zwei prominente US-Wissenschaftler ihre gegensätzlichen Meinungen öffentlich gemacht haben. K.N. Prasad (Denver) präsentierte Laborexperimente, nach denen Vitamin C nicht nur vor Krebs schützen, sondern auch etablierte Krebszellen zerstören soll. D. Golde (New York) warnt vor einer Verallgemeinerung dieser Laborexperimente. Er hat festgestellt, dass Krebszellen höhere Konzentrationen von Vitamin C enthalten als gesunde Zellen. Er hat außerdem Hinweise, dass Vitamin C die Wirkung einer Chemotherapie oder Bestrahlung abschwächen könnte (J. Natl. Cancer Inst. 91: 2073; 1999).

Die Diskussion macht deutlich, dass man zur Zeit vorsichtig sein sollte, große Mengen von Nahrungsbestandteilen zu sich zu nehmen, die vor Krebs schützen oder die Behandlung von Krebs unterstützen sollen. Warnendes Beispiel ist die Erfahrung mit Betacaroten und Vitamin E: Eine zweijährige Einnahme von Betacaroten konnte bei 20.000 Frauen die Häufigkeit von Krebserkrankungen nicht vermindern (J. Natl. Cancer Inst. 91: 2102; 1999). Zwei Studien, in denen Betacaroten und Vitamin E zur Vorbeugung von Lungenkrebs gegeben wurde, hatten im Gegenteil ergeben, dass das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern, die diese Substanzen einnahmen, erhöht war (NEJM 330: 1029 und 334: 1150; 1996)!

Als Erklärung dieser verwirrenden Ergebnisse wird vermutet, dass nur der Mangel an wichtigen Nahrungsbestandteilen schädlich ist. Normale Ernährung gleicht das Risiko aus. Ein Überdosis scheint nicht zu helfen. Andererseits könnte es aber auch sein, dass man noch nicht die richtigen Nahrungsbestandteile identifiziert hat. So ist weiterhin wenig umstritten, dass eine Nahrung mit viel Früchten und Gemüse vor Krebs schützt (Cancer Causes Control 2: 325; 1991). Wer sagt aber, dass es Einzelbestandteile wie Betacaroten oder Vitamin C sind, die dafür verantwortlich sind? Möglicherweise bleibt am Ende aller Diskussionen nur übrig, dass man sich nur vollwertig ernähren sollte, und dass Überdosen (wie meist in der Natur) eher schädlich sind.

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen