HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Heute ist dies kein ungewöhnliches Szenario mehr: Patienten mit Krebserkrankungen erscheinen bei ihrem Arzt mit dicken Stapeln von Ausdrucken aus dem Internet und stellen eine Fülle von Fragen. Manchmal sind es auch die Angehörigen, z.B. die Kinder, die im Beruf tagtäglich im Internet surfen, und dieses Medium dann auch für die Beschaffung von Informationen für die erkrankten Angehörigen nutzen.

Ärzte sehen dieses Verhalten der Patienten sehr unterschiedlich und überwiegend kritisch. Viele sind hochgradig irritiert, da sie einen Verlust ihres Informationsmonopols fürchten oder zumindest Bedenken haben, der Patient könnte mit einer brandaktuellen Information kommen, die sie selbst noch nicht kennen. Wenn sie selbst das Internet beruflich nutzen, reagieren sie meist gelassener, da sie für den kritischen Patienten eher glaubwürdiger wirken, wenn er erkennt, dass ihr Arzt alle die Informationen längst kennt und kritisch bewerten kann, die sie sich mühsam beschafft haben.

Ein zentrales Problem ist jedoch nicht zu übersehen: Wer garantiert für die Qualität der Information, an die man über eine Suchmaschine gelangt? Ohne Zweifel gibt es eine Fülle von Angeboten, die schlecht oder gar falsch sind. Dies bedeutet, dass der mit dem Paket von Internetausdrucken konfrontierte Arzt viel Zeit aufwenden muss, um die Spreu vom Weizen zu trennen, und das ist aus Zeitgründen und wegen der Computergläubigkeit vieler Menschen nicht einfach.

Sehr zu begrüßen sind daher von Fachleuten verfasste oder autorisierte Web-Informationen zum Thema Krebs. Als Beispiel sei cancerfacts.com, eine Sammlung von Informationen in englischer Sprache, genannt. Dahinter stehen hochrangige Krebsspezialisten aus den USA, die in verständlicher Form über Krebserkrankungen von Brust, Darm, Blase, Prostata, Eierstöcken und Haut informieren. Seit 16.2.2000 gibt es sogar einen interaktiven Teil, in dem Patienten Detailinformationen zu ihrer Krebserkrankung während einer geschützten Internet-Verbindung eintragen können und automatisch speziell auf sie zugeschnittene Antworten erhalten ("Cancer Profiler“). Solche ausgefeilten Angebote gibt es in Deutschland noch nicht. Gute online-Informationen gibt es jedoch schon bei der Deutschen Krebshilfeund bei dem Krebsinformationsdienst "KID“. Weitere Links finden sie auch auf unserer Website.

Eines sollten Patienten jedoch unbedingt beachten: Internet-Informationen können "unerwünschte Wirkungen“ haben, indem sie mehr verunsichern als helfen. Dies liegt daran, dass der Patient nicht die nötige Sachkenntnis zur Wertung auch guter Informationen hat. Das Internet kann und darf niemals das Gespräch mit dem Fachmann ersetzen! Medizin hat nämlich auch etwas mit Erfahrung und "feeling“ zu tun. Erst wenn dies mit harten Fakten gepaart wird, kommt etwas Vernünftiges für den Patienten heraus.

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen