HSK - Verantwortung für wichtige Fragen

Weiter Debatte um das Mammographie-Screening

Am 18. November 2000 fand in Wiesbaden eine öffentliche Informationsveranstaltung über die Chancen und Risiken der Brustkrebsfrüherkennung durch „Screening-Mammographie" (vorsorgliches Röntgen der Brust) statt. Diese Veranstaltung gehört zu den Vorbereitungen des 2001 anlaufenden Wiesbadener Modellprojekts, eines von 3 Modellprojekten, mit dem die Wertigkeit der Screening-Mammographie in Deutschland geprüft werden soll.

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Dass es erst jetzt dieses sehr begrüßenswerte Projekt in Deutschland gibt, ist eigentlich ein Skandal. In Deutschland wird mäßig systematisch und ohne ausreichende Qualitätskontrollen mammographiert. Länder wie Schweden und die Niederlande haben aus systematischen Untersuchungen solide Strukturen entwickelt und empfehlen und bezahlen die Mammographie für alle Frauen ab dem Alter von etwa 50 Jahren (Zahlen leicht unterschiedlich).

Frau Dr. Reichel und Herr Dr. Junkermann, Initiatoren des Wiesbadener Projekts, wiesen auf den wichtigen Aspekte der Qualitätssicherung hin: Die Einrichtung eines eigenen Zentrums mit einer auf das Projekt ausgerichteten Infrastruktur, modernen Geräten und Doppelbefundung der Mammographien garantiert den untersuchten Frauen ein hohes Niveau der Untersuchungen. Dass dies nicht für alle Mammographien „in freier Wildbahn" (Zitat einer Rednerin) gilt, ist ein offenes Geheimnis. In der Diskussion wurde betont, dass die Qualität auch außerhalb des Projekts sehr gut sein kann, um nicht den Eindruck zu erwecken, man dürfe sich nur noch in dem neuen Zentrum untersuchen lassen. Dieser mögliche Eindruck und die Tatsache, dass die Untersuchung im Screeningzentrum gezahlt, außerhalb aber seit diesem Jahr von den Kassen nicht mehr gezahlt wird (es sei denn, es geht um die Klärung eines verdächtigen Befundes), hat in den vergangenen Monaten heftigen Streit ausgelöst: Man vermutete Monopolisierung der Diagnostik, vordergründige finanzielle Interessen und Ausschluss anderer Berufsgruppen, z.B. auch der Gynäkologen.

Der aus meiner Sicht interessanteste Beitrag der Wiesbadener Veranstaltung kam von Frau Prof. Ingrid Mühlhauser aus Hamburg. Sie wies auf einen wunden Punkt der Screening- Diskussion hin: Es besteht weitgehende Übereinkunft (siehe früherer Bericht!), dass qualitativ hochwertige Screening-Mammographien im Alter von 50-70 Jahren die Sterblichkeit an Brustkrebs um 20-30% vermindern. Diese beeindruckende Zahl klingt sofort weniger spektakulär, wenn man sich die absoluten Zahlen ansieht: Ohne Screening in dem genannten Altersbereich sterben 4 von 1000 Frauen an Brustkrebs - eine beruhigend niedrige Zahl -, mit Screening nur/immerhin (?) 3 von 1000. Statistisch gesehen profitiert also nur eine dieser 1000 Frauen von dem Screening! Die Hamburger Forscher haben diese und andere wichtige Überlegungen zum Thema Screening auf einer sehr informativen Website Mammographie-Onlinezusammengetragen.

Ich kann jeder Frau, die sich zu dem Thema kritisch informieren will, diese Internetseiten wärmstens empfehlen! Man muss sich allerdings intensiv mit diesen Seiten befassen, will man nicht Gefahr laufen, zu negativ beeinflusst zu werden. Ich persönlich halte die Screening-Mammographie auch unter dem Gesichtspunkt der bisherigen Kosten-Nutzen- Analyse für richtig. Langfristig müssen allerdings Risikokriterien entwickelt werden, die es erlauben, nur Risikogruppen zu untersuchen. Die bisherigen Kriterien, z.B. das Gail-Modell, sind für die Entscheidung im Einzelfall zu unscharf.  

Prof. Norbert Frickhofen

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fussleisten_bild Stand: 01. Januar 2004 Verantwortlich: Prof. Norbert Frickhofen