![]() |
![]() |
||||||||||||||||||
|
Wie schon mehrfach berichtet, werden beim fortgeschrittenen Nierenkrebs intensiv Therapien erprobt, die immunologische Abwehrkräfte des Körpers ausnützen. Diese Strategie erscheint erfolgversprechender als die übliche Chemotherapie, da diese praktisch wirkungslos ist. Eine Veröffentlichung aus Frankreich dämpft jetzt zu hohe Erwartungen: Die weit verbreitete Behandlung mit den Zytokinen (Botenstoffen des Immunsystems) Interleukin-2 und Interferon alpha in Kombination mit einer Chemotherapie erwies sich als wirkungslos (J. Clin. Oncol. 18: 4009; 2000). Die Forscher mussten zudem scharfe Kritik an der Durchführung der Studie akzeptieren (J. Clin. Oncol. 18: 4007; 2000). |
|||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||
|
Diese Mitteilung kommt allerdings nicht ganz unerwartet. Nach Pionierarbeiten des Onkologen Rosenberg am Nationalen Krebsinstitut der USA vor etwa 15 Jahren glaubte man den Schlüssel für die Therapie des fortgeschrittenen Nierenkrebs gefunden zu haben. Er behandelte seine Patienten mit sehr hohen Dosen Interleukin 2 und sah darunter z.T. dramatische Rückbildungen von Metastasen, v.a. in der Lunge. Das Problem dieser Therapie bestand jedoch in den starken Nebenwirkungen. Ich habe selbst 1988 mehrere Therapien in der Klinik von Dr. Rosenberg verfolgen können: Sie fanden alle auf der Intensivstation statt, und die behandelnden Intensivmediziner hatten vor den Nebenwirkungen dieser Behandlung (v.a. schwere Kreislaufreaktionen) mehr Angst als z.B. vor einem Herzinfarkt. Da das Prinzip der Behandlung mit Interleukin 2 plausibel war, haben Dr. Rosenberg und Kollegen in Europa weniger eingreifende Behandlungsformen entwickelt. Heute hat sich die deutlich niedriger dosierte, von den Patienten selbst subkutan, d.h. unter die Haut gespritzte Behandlung mit Interleukin 2 durchgesetzt. Sie wird meist mit Interferon alpha und gelegentlich - wie in der oben genannten französischen Studie - mit Zytostatika kombiniert. Aber auch diese Therapie verursacht immer Beschwerden wie bei einer schweren grippalen Erkrankung, d.h. Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen und Übelkeit. Das ist leicht erklärlich, da eine Art künstlicher Entzündungsreaktion erzeugt wird, von der man sich eine immunologische Attacke der Krebszellen erhofft. Nach vielen Jahren Erfahrung muss man jedoch folgendes feststellen: Positive Effekte der Behandlung sind nur bei 20 (-40)% der Patienten zu erkennen; die Effekte sind in der Regel von kurzer Dauer; eine vollständige Rückbildung von Metastasen sieht man bei weniger als 10% der Patienten, in diesen Fällen aber z.T. erstaunlich lange anhaltend; alle Patienten leiden unter Nebenwirkungen; schließlich ist die Therapie sehr teuer. Nicht zuletzt als Folge unkritischer Publicity durch Ärzte wurde in letzter Zeit viel Kritik an dieser Therapie geäußert. So wurde von dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft, Herrn Prof. Weißbach, dringend davor gewarnt, diese Behandlung routinemäßig durchzuführen. Er hält sie nur im Rahmen von Studien für gerechtfertigt. Die derzeit größte Studie ist das „Nationale Tumorprojekt Nierenzellkarzinom" (NTP-N). An den HSK werden Patienten nur im Rahmen des NTP-N behandelt. Wir weisen unsere Patienten aber auch auf die Behandlung mit neuen Zytostatika und experimentelle Therapien wie Impfungen und Stammzelltransplantationen von gesunden Spendern hin. << zurück |
|||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||