Geschichte der HSK und damit der Städtischen Krankenanstalten Wiesbadens
Die HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken sind heute ein modernes, hoch spezialisiertes Krankenhaus mit einem ausgezeichneten medizinischen Ruf. Das breite medizinische und pflegerische Leistungsspektrum setzt richtungsweisende Maßstäbe weit über die Region hinaus.
Mit seinen Fachabteilungen und Instituten, wie sie heute etabliert sind, ist das vorerst letzte Kapitel, damit das jüngste, einer langen Hospitalgeschichte in Wiesbaden aufgeschlagen.
Die Geschichte der Versorgung von Kranken und Armen in Wiesbaden reicht rund 800 Jahre zurück. So ist die Errichtung eines Zivil-Hospitals durch den Grafen Gerlach von Nassau und seine Söhne Adolf und Johann 1353 von Erzbischof Gerlach von Mainz dokumentiert. Dieses Hospital behielt seinen Platz bis zum Abbruch 1879 in der Nähe des Kochbrunnens.
Bereits zur Zeit der Römer war Wiesbaden für seine zahlreichen Thermalquellen und ihre Heilkraft bekannt. Auch im Mittelalter zogen diese Quellen Fremde an. Dies sicherte Wiesbaden einen gewissen Wohlstand und Siedlungskontinuität. Das heiße Wasser mit seinen Mineralstoffen schien zur Linderung fast jeden Leidens nützlich.
Die Krankenversorgung im Mittelalter übernahmen meist Bader, Barbiere oder Wundärzte. Ihre Behandlungen beschränkten sich auf das Handauflegen auf schmerzende Stellen, mehrmals tägliches Baden als eine Art hygienische Pflege, oder die Gabe von Wein als Ernährungstherapie.
Im 16. Jahrhundert blieb auch Wiesbaden nicht von den Schrecken des 30-jährigen Krieges verschont. Feuerbrünste vernichteten Wiesbaden und auch das Hospital weitgehend. In der folgenden Zeit vollzog sich ein Wandel in den Hospitälern. Sie wurden immer weniger eine Stätte der Versorgung für Arme. In den Vordergrund rückte die medizinische Diagnostik und Therapie vor allem innerer Erkrankungen, damit die Anfänge der klinischen Medizin.
Vom Zivilhospital zum Städtischen Krankenhaus
1874 wurde vertraglich der Neubau eines Krankenhauses mit mindestens 186 Betten festgelegt. Gebaut wurde das neue Krankenhaus auf dem Gelände des ehemaligen Römerkastells an der Platterstrasse und Schwalbacher Straße in Pavillonbauweise.
Im 19. Jahrhundert hatte sich das Bild der Krankenhäuser grundlegend gewandelt. Überraschend schnell hatte sich das Pavillonsystem in Deutschland durchgesetzt. Ende des 19. Jhdt. spielten Infektionserkrankungen wie Diphtherie, Fleckfieber, Tuberkulose, Ruhr oder Typhus eine große Rolle. Die Ursache für diese Infektionen wurde in schlechten Ausdünstungen, d.h. verunreinigter Luft, gesehen. Mochten die Chirurgen noch so brillant operieren, etwa jeder zweite Patient starb nachträglich an Wundfieber, das heißt an Sepsis. Auch hier glaubte man verunreinigte Luft sei Ursache für die Ausbreitung von Krankheiten. Daher hatte die Reinhaltung der Zimmerluft hohe Präferenz.
Durch strickte Trennung der Patienten in verschiedenen Pavillons glaubte man, Infektionen effektiv bekämpfen zu können. Gegenüberliegende Fensterreihen der Krankensäle sollten z.B. eine optimale Belüftung garantieren. Alle diese Überlegungen flossen in die Architektur für das neue städtische Krankenhaus ein.
In den folgenden Jahrzehnten gelang es durch Hygienemaßnahmen und später Impfungen das Wundfieber und viele Infektionen wirkungsvoller zu bekämpfen.
Der Ruf der Wiesbadener Klinik unter der Leitung namhafter Ärzte war immer mehr gestiegen. Auch der Bedarf an ärztlicher Versorgung. Im Jahr des Einzugs war die Höchstbelegung 170 Patienten. Kurz vor Ausbruch des I. Weltkriegs war sie auf 622 gestiegen. Bereits damals sollte ein Neubau an anderer Stelle errichtet werden.
Wie auch in anderen deutschen Städten haben die beiden Weltkriege die Weiterentwicklung stark behindert. Nach dem ersten Weltkrieg hatte Wiesbaden seine Bedeutung als Weltkurstadt verloren. Aus dem mittelalterlichen Zivilhospital war das Wiesbadener Krankenhaus geworden.
Dieses Städtische Krankenhaus wurde dann 1933 aufgrund seiner wachsenden Bedeutung in die Städtische Krankenanstalten und die einzelnen Abteilungen in Kliniken umbenannt.
Im letzten Kriegsjahr verblieben nach Luftangriffen und schweren Beschädigungen noch 230 Betten für die Zivilbevölkerung. Die Frauenklinik lag völlig in Trümmern, andere Gebäude erlitten schwere Schäden. Mit der Besetzung Wiesbadens durch die Amerikaner galt es die Wiederaufnahme einer „geordneten Krankenversorgung“ sicherzustellen sowie schwerwiegende Kriegsschäden zu beseitigen. Auch war die finanzielle Situation Wiesbadens nach 1945, nicht zuletzt auch durch die Währungsreform, völlig unzureichend. Erstaunlich und anerkennenswert ist, dass es dennoch gelungen ist, die Zerstörungsfolgen binnen 10-Jahres-Frist zu beseitigen und die Kliniken technisch und ausstattungsmäßig auf einen modernen Stand zu bringen.
Erste Entlastung brachte der Umzug der Frauenklinik nach der provisorischen Unterbringung in den Kellerräumen der Kastellschule in einen Gebäudekomplex 1947 am Bahnholz. Dort Verblieb die Frauenklinik bis zum Umzug an den heutigen Standort.
Ein Klinikneubau an einem neuen Standort mit der Prämisse „Alles unter einem Dach“ wurde in den 60 und 70er Jahren erneut und nachhaltig diskutiert. Dies sollte ein Zentralklinikum mit der Maxime „Klinikum der Maximalversorgung“ sein. Am 15. November 1973 fiel in der Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung zugunsten des Geländes Freudenberg.
Zuvor waren zahlreiche Argumente wie negative Auswirkungen auf das Klima, ungünstige Verkehrsanbindung, Beeinträchtigung der Landschaft, Wertminderungen der dort befindlichen Freizeitanlagen monatelang gegeneinander abgewogen worden. 13 mögliche Standorte wurden diskutiert. Weiteres Hemmnis war, dass das ca. 22 Hektar große Gelände auf dem Freudenberg dem Bund – es war für den Bundesgrenzschutz vorgesehen – und nicht der Stadt gehörte. Die Stadt Wiesbaden musste dieses Gelände unter Mitwirkung des Bundesministers des Innern, Dietrich Genscher, sowie Helmut Schmidt als Finanzminister und von Seiten der LH Wiesbaden Stadtkämmerer Dietrich Oedekoven, erst einmal erwerben.
Am 18. Oktober 1982 erfolgte nach einer Bauzeit von 6 Jahren der Umzug von der Schwalbacher Straße in das Hauptgebäude am Freudenberg. Das neue städtische Klinikum wurde nach dem Hessischen Sozialminister Dr. Horst Schmidt (1969-1976) in Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) benannt. Dr. Horst Schmidt hatte viel zur Realisierung des Neubaus beigetragen. Er kam noch vor dem Einzug ins neue Klinikum bei einem Autounfall auf der Autobahn 1976 im Alter von 51 Jahren ums Leben. Die besondere Tragik war, dass Dr. Horst Schmidt tödlich verunglückte, als er versuchte, bei einem Unfall zu helfen. Politiker aller Parteien würdigten ihn als einen engagierten und mutigen Sozialminister.
Damit wurde ein modernes stationäres Versorgungsangebot „unter einem Dach“ für Wiesbadens Bürger realisiert. Zeitnah realisiert werden konnte der Neubau einer Kinderklinik. Sie wurde als ein eigenständiges Gebäude errichtet und 1984 bezogen. Sie gilt auch heute noch architektonisch als eine der modernsten und schönsten Kinderkliniken Deutschlands. Die Kinderstationen sind überwiegend altersspezifisch gegliedert, d.h. es gibt Stationen für Säuglinge, Klein- und Schulkinder. Dies bedeutet, das kranke Kind, nicht das kranke Organ steht im Mittelpunkt. Neben den Architekten wirkten zur Realisierung auch Ärzte, Schwestern und die Aktionsgruppe „KIK, Kind im Krankenhaus“ mit. Die Mitaufnahme von Eltern ist heute auf den Kleinkinderstationen, aber auch bei Neugeborenen und Säuglingen und selbst bei Frühgeborenen Selbstverständlichkeit geworden. Die HSK Kinderklinik spielte damit eine Vorreiterrolle in Deutschland, inzwischen haben viele Kliniken dieses Konzept verwirklicht.
Ein bedeutender zukunftweisender Schritt vollzog sich mit der Einrichtung einer Neurochirurgischen Klinik 1992. Ein großzügiges Ausbildungszentrum wurde im Jahr 1993 errichtet, das später nach dem früh verstorbenen Betriebsleiter Dr. Peter Jäger benannt wurde. Am 1. Dezember 2002 wurde die neue großzügige Eingangshalle des Klinikums feierlich eingeweiht. Im März 2003 wurde im Süden des Klinikgeländes mit den Bauarbeiten für die Psychiatrie begonnen. Es folgte ein stufenweiser Ausbau der Klinik von 36 Betten auf 94 Betten im Jahr 2011 zuzüglich einer Tagesklinik von 20 Plätzen und der Etablierung einer Psychiatrischen Institutsambulanz im neuen Gebäude.
Weitere Neubauten so das Institut für Labordiagnostik und Hygiene sowie das Institut für Pathologie und Zytologie folgten. Ende 2010 konnte die konservative Intensivstation IS 01 in die neuen Räumlichkeiten umziehen. Mit einem Kostenaufwand von 6,9 Mio. Euro wurde eine medizintechnisch hervorragend ausgestattete, großzügige, helle und freundliche Intensivstation auf der Bodenplatte der ehemaligen Pathologie neu errichtet. Auch sind nach 2-jähriger Planungs- und Umsetzungsphase Anfang Juli 2011 die neuen Räumlichkeiten der Zentralen Notaufnahme (ZNA) in Betrieb genommen worden.
Gegenwart und die Zukunft
Bauen hört in der HSK nicht auf. Seien es neue Räumlichkeiten für die Ambulanzen, Funktionsabteilungen und mehr. Auch ist das Haus in die Jahre gekommen – eine Generalsanierung oder gar ein Neubau stehen an. Wie jetzt aktuell von der Politik entschieden, soll neu gebaut werden.
Die HSK ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Klinikum der Zentralversorgung mit 25 Fachabteilungen und Instituten sowie Onkologischer Schwerpunkt.
Die HSK ist für viele Schwerpunkte weit über die Grenzen Wiesbadens und der Region hinaus bekannt. Auch internationale Patienten kommen gezielt in die HSK, um hier Hilfe zu finden. In fast allen Fällen ist eine fachübergreifende Diagnostik erforderlich, um dann eine hilfreiche Therapie einleiten zu können. So sind bei vielen Erkrankungen mehrere unserer Fachabteilungen beteiligt. Das Klinikum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem medizinischen Zentrum der Spitzenmedizin entwickelt.
